Kommunizieren Sie doch im „SIE“!

K ommunizi E ren sie D och im si E!

Dem einen oder anderen ist es vermutlich bereits schon – vielleicht auch schon seit längerem – aufgefallen, dass das Du in Deutschland immer mehr Einzug hält.

Nicht nur bei den sozialen Medien, sondern auch in anderen Branchen und Bereichen des Alltags und im Berufsleben wird umgangssprachlich nun vermehrt das Du verwendet.

Eine Art der Kommunikation, die den Ursprung – vermute ich einmal – in Amerika hat.

Dem einen mag es gefallen, dem anderen nicht so sehr.

„Wir Deutschen“ haben ja immer noch den Ruf, etwas distanzierter, etwas kühler und reservierter zu sein.

Doch fragt „man“ im Ausland nach, kommen immer noch häufig solche Überbegriffe wie „deutsche Markenqualität, Pünktlichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Kundenservice und dass wir Deutsche Sicherheitsfans sind und Kartoffeln & Sauerkraut mögen“ an oberster Stelle

Zu diesen positiven Aspekten des Deutschen gehört sicherlich im Businessbereich auch das mittlerweile etwas veraltete Sie.

Ich oute mich offiziell dazu, dass ich das Sie als durchaus etwas Positives betrachte.

Das Sie ist zu vergleichen mit dem Filmausschnitt von Dirty Dancing, als gesagt wurde:

„Das ist Dein Tanzbereich und das ist mein Tanzbereich.“

Und so ähnlich ist es mit der „Sie“.

Mit dem Sie wird ein gewisser Abstand gewahrt, dem es dem anderen ermöglicht immer noch in eine gewisse neutrale Reflektion zu dem zu gehen, was der andere gerade gesagt hat.

Ein „Du“ transportiert definitiv wesentlich mehr persönliche Emotionen mit sich, als ein „Sie“.

Doch auch im Sie kann – auf eine andere Art und Weise natürlich – mit Emotionen gearbeitet werden.

Hierfür gibt es etliche Beispiele, die dafür aufgeführt werden könnten.

Mir persönlich geht es inzwischen in unserer Gesellschaft jedenfalls so, wenn ich ungefragt von einer fremden Person ein Du übergestülpt bekomme, dann distanziere ich mich von dieser Person innerlich umso mehr.

Sollte ich mit dieser Person bereits schon länger in Kontakt stehen/diese Person kennen und auch schon einen gewissen freundschaftlichen Du-Kontakt haben, dann ist für mich ein Du-Umgang durchaus in Ordnung.

Doch da sollte – aus meiner Sicht gesehen – bereits etwas mehr Kontakt bestehen, als nur das Überweisen von Rechnungen, um von einem „Sie“ in ein „Du“ überzugehen.

Denn beim Du wird – auch aus meiner Sicht – eine gewisse Privatgrenze überschritten, die in den meisten Fällen nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Wenn im Businessbereich ein Fehler unterläuft, dann wird –überwiegend jedenfalls- alles versucht um diesen Fehler zu beheben, damit keine weiteren Unannehmlichkeiten entstehen und der Kunde/Klient beim nächsten Auftrag wiederkommt. Denn im Businesskontext geht es sehr häufig darum was an dem ein oder anderen Auftrag verdient worden ist.

Wenn jedoch im privaten Bereich ein Fehler unterläuft, dann kann so etwas – nicht immer – gravierende Folgen haben. Im privaten Bereich geht „man“ vertrauter miteinander um und ein Fehler wird demzufolge emotionaler aufgefasst, als es im Geschäftsleben der Fall ist.

Im einen Fall ist es Auftrags und Geschäftsbezogen.

Im anderen ist es Personenbezogen.

Nur ein Du von Anfang (Business oder Freundschaft) an gleich Voraus zu setzen, finde ich ziemlich respektlos.

„Man“ kann jetzt dazu sicherlich durchaus geteilter Meinung sein:

Wenn jemand dem Gegenüber ein Du anbietet, dann ist das doch ein Vertrauensaspekt, auf einer gewissen persönlichen Schiene miteinander zu kommunizieren.

Hmm. Möglich. Kann sein. Muss jedoch nicht sein.

Genauso gut kann sich diese Person durch das entgegengebrachte „Du“ in Sicherheit fühlen und dazu geneigt sein mehr beim Anbieter zu kaufen, als überhaupt notwendig wäre.

Davon einmal abgesehen hört ein jeder seinen Namen normalerweise sehr gerne.

Es hat etwas sehr Persönliches als Person erkannt und auch bei seinem Namen angesprochen zu werden.

Sei es im Berufsleben im Herr/ Frau XYZ oder im Privat und Freundesleben mit dem Vornamen.

Wenn ich z.B. im Online oder Einzelhandel etwas bestelle und ich auf dem Bestellzettel sehe, vielen Dank für Ihre Bestellung fühle ich mich dort wesentlich besser „abgeholt“, als wenn ich gleich im Du angesprochen werde.

„Ja, aber das sind doch nur Kleinigkeiten.“

Ja, es sind allerdings nur Kleinigkeiten, die den Käufer jedoch sehr stark in der Kaufentscheidung beeinflussen können.

Die Bürger werden momentan regelrecht von einer Du-Flutwelle überschwemmt und somit wird ein Du Kundenkonstrukt erstellt. Einfach weil das Du mittlerweile überall mehr verwendet wird.

Doch was ist mit all den Kunden, die es vorziehen weiterhin gesiezt zu werden?

Angenommen ein Unternehmer/ eine Unternehmerin den 50ern/ 60ern – möchte einen Auftrag in Höhe von 1 Million Euro aufgeben und zieht diesen bei dem geplanten Unternehmen zurück, weil dieser Ihn nach der aktuellen Mode Duzen tut. Einfach weil Er/ Sie nicht verstanden hat, wie wichtig dem Kunden, dass Sie gewesen ist.

Ein anderes Unternehmen, welches Ihn gut im Sie beraten hat, bekommt stattdessen nun den Auftrag. (Genauso geht es auch umgekehrt)

Wie wichtig ist das Du/ Sie – /Sie /Du jetzt für denjenigen, der den Auftrag nun nicht bekommen hat?

Es wird vermehrt von Toleranz geredet. Toleranz gegenüber anderen Menschen.

Reiche und Arme, Schwarze und Weiße, Raucher und Nichtraucher, Fleischesser und Vegetarier, etc.

Wenn überall auf Toleranz und Verständnis geachtet wird, dann sollte doch auch so viel Toleranz da sein, dass es Menschen gibt, die das Du bevorzugen und Menschen, die vorwiegend im Sie kommunizieren, oder nicht?

Mir persönlich ist es schlichtweg ein Rätsel, weswegen die Menschheit plötzlich auf dem gesamten Erdball im Du miteinander kommunizieren muss.

Ein Wir – haben – uns – alle – lieb-Syndrom.

Das Besondere an einem Menschen macht doch erst seine Besonderheiten aus.

Wenn alle die gleiche Kleidung nach Norm tragen, alle im Du kommunizieren, alle nur noch das Gleiche essen, gleich viel Geld haben, gleich sprechen, alle ein gleich aussehendes Haus haben, Kinder nur noch geklont werden und alles nur noch gleich ist, wozu wird dann noch die Menschheit benötigt. Hat „man“ einen Menschen gesehen, hat „man“ doch praktisch alle gesehen.

Doch wenn jemand, der für seinen Beruf ein Sie benötigt, nun dazu genötigt wird ein Du zu verwenden, wird dieser Person automatisch damit seine berufliche Qualifikation abgesprochen.

Ich stelle mir jetzt einmal solche Personen vor wie z.B. einen Richter.

Herr Verteidiger, was sagen Sie dazu?

Hohes Gericht….

Sprachbeispiel: Sag mal Fritz (Beispiel), was sagst Du denn zu dieser Sache und bevor ich es vergesse, gehen wir nächste Woche miteinander wieder mal zusammen kegeln?

Würden Sie sich als Angeklagter oder als Kläger mit solch einem Umgangston im Gericht wohl fühlen?

All die Personen, die Jahrelang in der Uni saßen und Ihren Doktortitel und Professortitel gemacht haben, sollen diese plötzlich all das fallen lassen und sich im Du ansprechen lassen?

Nicht jeder schafft es einen Doktor/ Professortitel oder sonst irgendeine Auszeichnung/ Abschluss vorzuweisen.

Das finde ich schlicht und ergreifend herabwürdigend zu der Person, in Anbetracht zu der Zeit, des Geldes, der Energie und der Leistung, die aufgebracht werden musste um diese(n) Doktortitel/ Professorentitel/ Abschluss zu erlangen.

Und damit meine ich jetzt nicht nur Doktoren und Professoren, sondern jeder darf stolz sein auf das was er im Leben gelernt hat und welche Qualifikationen er mittlerweile vorweisen kann.

Auch wenn es mittlerweile „Mode“ ist, den anderen zu Duzen, so bleibe ich jedenfalls beruflich im Sie, unabhängig davon wie viele „Duzis“ es um mich herumgibt.

Und all die Kunden/ Klienten, die gerne in der Sie-Form im Coaching angesprochen werden, sind bei mir genau an der richtigen Adresse.

Denn hier unterscheide ich mich von der aktuellen Modeerscheinung der Du-Sprache beim Kunden/ Klienten.

Ich respektiere Ihre Privatsphäre als Coachée/ Klient und Sie achten meine Privatsphäre als Coach/ Beraterin.

So, und jetzt wünsche ich Ihnen ein angenehmes gesundes, gutes und erfolgreiches Pfingstwochenende und einen guten Wochenstart!

Ihre

Pamela Porsch

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.